Ratgeber
0 € Startgebühr: Wo ist der Haken?
„Keine Startgebühr" steht auf unserer eigenen Preisliste — und wenn Sie an dieser Stelle misstrauisch werden, ist das die richtige Reaktion. Eine Website zu bauen kostet Arbeitszeit, und Arbeitszeit verschenkt niemand. Die ehrliche Antwort lautet deshalb nicht „es gibt keinen Haken", sondern: Der Betrag ist nicht weg, er ist verschoben. Dieser Ratgeber rechnet vor, wohin — und zeigt, woran Sie erkennen, ob ein 0-€-Angebot solide kalkuliert oder eine Falle ist.
Die kurze Antwort
Eine Startgebühr von 0 € ist keine Schenkung, sondern eine Finanzierungsentscheidung. Der Anbieter trägt die Erstellungskosten vor und holt sie über die Laufzeit zurück. Der Gegenwert, den Sie dafür geben, ist fast immer Vertragsbindung — und gelegentlich noch etwas Zweites, über das seltener gesprochen wird: Sie mieten das technische System, statt es zu besitzen.
Seriös ist ein solches Angebot dann, wenn beides offen dasteht, bevor Sie unterschreiben: die Laufzeit und die Frage, was Ihnen am Ende gehört. Unseriös wird es, wenn die 0 € groß auf der Startseite stehen und die Bindung klein in den AGB.
Was am Anfang normalerweise fällig wird
Damit die Zahl einzuordnen ist, hilft der Blick auf die üblichen Modelle. Bei einem klassischen Einmalprojekt ist eine Anzahlung bei Auftragserteilung Branchenstandard — je nach Agentur ein Drittel bis die Hälfte der Auftragssumme, der Rest bei Abnahme. Bei einer Website im Bereich von 4.000 € sind das rund 1.300 bis 2.000 € Vorkasse, bevor die erste Seite steht. Das ist kein unfaires Vorgehen, sondern eine Absicherung: Die Agentur geht sonst mit ihrer gesamten Arbeitszeit in Vorleistung.
Beim Baukasten fällt diese Hürde weg — dort zahlen Sie Kleinbeträge im Monat, gehen aber mit Ihrer eigenen Zeit in Vorleistung. Und bei Abo-Modellen ist das Bild uneinheitlich: Manche Anbieter verlangen eine Einrichtungsgebühr, andere nicht, die Mindestlaufzeiten reichen im deutschsprachigen Markt von wenigen Monaten bis zu 24 Monaten. Wer Angebote vergleicht, vergleicht also nie den Startbetrag allein, sondern immer das Paar aus Startbetrag und Bindung. Die reinen Zahlen dazu stehen in „Was kostet eine Website wirklich?".
Wie sich 0 € für den Anbieter rechnen
Die Kalkulation dahinter ist unspektakulär. Ein Anbieter, der die Erstellung nicht berechnet, verdient im ersten Vertragsjahr wenig bis nichts — er verdient ab dem zweiten. Das funktioniert nur unter drei Bedingungen: Die Bauzeit pro Seite muss kalkulierbar sein (deshalb feste Pakete statt freier Wunschliste), die Technik muss geteilt genutzt werden (ein gepflegtes System für viele Kunden, statt jedes Mal von null), und die Kundenbeziehung muss lange genug halten.
Genau daraus folgt die Mindestlaufzeit — und daraus folgt auch, was ein 0-€-Modell nicht gut kann: eine völlig individuell entwickelte Speziallösung ohne Bindung. Wer das braucht, ist mit einem bezahlten Einmalprojekt besser bedient. Beide Wege haben wir in „Website-Abo oder einmalig bezahlen?" gegenübergestellt.
Der Gegenwert, den wir offen hinschreiben
Weil „wo ist der Haken?" eine berechtigte Frage ist, hier unsere eigenen Vertragsdaten in einer Tabelle statt in einem Nebensatz. Alle Punkte stehen so in unseren AGB, sie sind hier nur in Alltagssprache übersetzt.
| Punkt | Wie es geregelt ist |
|---|---|
| Startgebühr | 0 € — die Erstellung wird nicht gesondert berechnet |
| Mindestlaufzeit | 12 Monate — kein monatlicher Ausstieg |
| Verlängerung | Automatisch um 12 Monate, wenn nicht gekündigt wird |
| Kündigungsfrist | 30 Tage zum Laufzeitende, in Textform |
| Preisanpassung | Frühestens nach der Mindestlaufzeit, höchstens einmal im Vertragsjahr, acht Wochen vorher angekündigt |
| Bei mehr als 5 % Erhöhung | Sonderkündigungsrecht zum Wirksamwerden der Anpassung |
| Wenn eine Zahlung ausbleibt | Sperre frühestens ab zwei offenen Monatsraten, nach Ankündigung und Nachfrist |
| Domain | Läuft auf Ihren Namen, nicht auf unseren |
| Ihre Inhalte | Bleiben Ihr Eigentum, Export bei Vertragsende auf Anforderung |
| Der Quellcode | Bleibt beim Anbieter — im Abo nicht enthalten |
Die letzte Zeile ist die unbequemste, deshalb steht sie nicht am Ende einer Klausel, sondern hier: Sie mieten ein laufendes System. Sie nehmen Ihre Inhalte und Ihre Domain mit, aber nicht die Technik darunter. Was das bei einem Wechsel praktisch bedeutet, haben wir in „Website-Abo kündigen" Schritt für Schritt aufgeschrieben.
Fünf Fragen, die ein 0-€-Angebot beantworten muss
Diese Prüfpunkte gelten anbieterunabhängig. Stellen Sie sie jedem — auch uns. Wer bei einer davon ausweicht, hat den Haken nicht wegkalkuliert, sondern nur versteckt.
- Wie lang ist die Mindestlaufzeit, und wie verlängert sich der Vertrag? Der Startbetrag allein sagt nichts. Erst Monatspreis mal Laufzeit ergibt die Zahl, die Sie wirklich vergleichen können.
- Auf wessen Namen läuft die Domain? Steht dort der Anbieter, ist der günstige Einstieg mit einer Abhängigkeit erkauft, die Sie später teuer auslösen. Das ist der wichtigste Punkt der ganzen Liste.
- Was passiert bei Vertragsende mit Inhalten und Seite? Nicht jedes Mietmodell überträgt die Website am Ende — das ist der meistgenannte Kritikpunkt am Modell überhaupt. Lassen Sie sich vorher sagen, was Sie mitnehmen und in welchem Format.
- Darf der Preis steigen, und unter welchen Bedingungen? Eine Anpassungsklausel ist normal und legitim. Sie sollte aber eine Ankündigungsfrist enthalten und ab einer bestimmten Höhe ein Kündigungsrecht.
- Was passiert bei einer verspäteten Zahlung? Sofortige Abschaltung ohne Vorwarnung wäre ein Alarmsignal. Ihre Website ist Ihre Adresse im Netz, kein Druckmittel.
Wann 0 € Startgebühr das falsche Argument ist
Es gibt Fälle, in denen dieser Vorteil an Ihnen vorbeigeht. Wenn Sie das Geld für ein Einmalprojekt ohnehin bereitliegen haben und die Seite anschließend jahrelang unverändert lassen wollen, fahren Sie mit einem gekauften Projekt langfristig günstiger — der Einmalbetrag ist irgendwann abbezahlt, die Monatsrate läuft weiter. Wenn Sie eine Website nur für ein befristetes Vorhaben brauchen, ist eine Mindestlaufzeit von 12 Monaten der falsche Rahmen; dafür gibt es am Markt Anbieter mit kürzeren Laufzeiten, und die sind für diesen Fall die ehrlichere Wahl. Und wenn Sie den Quellcode besitzen müssen, etwa weil eine interne IT die Seite weiterentwickeln soll, ist ein Mietmodell schlicht nicht das richtige Werkzeug.
Der Vorteil greift dort, wo die vierstellige Rechnung am Anfang tatsächlich der Grund ist, warum es die Website seit Jahren nicht gibt — bei Soloselbstständigen, jungen Betrieben und überall dort, wo Liquidität knapper ist als Bedarf. Am häufigsten sehen wir das bei Handwerksbetrieben und in der Gastronomie.
Fazit
0 € Startgebühr ist ein echter Vorteil und trotzdem kein Geschenk. Der Betrag verschwindet nicht, er wird über die Laufzeit verteilt — und die Bindung ist der Preis dafür. Ein Anbieter, der das so sagt, verkauft Ihnen ein Finanzierungsmodell; einer, der die 0 € als Großzügigkeit inszeniert und die Laufzeit erst im Kleingedruckten nennt, verkauft Ihnen eine Erwartung. Prüfen Sie die fünf Fragen oben, rechnen Sie Monatspreis mal Laufzeit, und entscheiden Sie danach — bei uns genauso wie bei jedem anderen.
Alles Wichtige steht vor der Unterschrift
Welche Pakete es gibt und was jeweils enthalten ist, sehen Sie auf der Startseite. Laufzeit, Kündigung, Domain und Datenexport stehen vollständig in den AGB — nicht nur zusammengefasst, sondern im Wortlaut.